Samstag · 23.01.2016 · 19:43 Uhr · dpa, PM THC, red

Zweite Niederlage für Meister Thüringer HC: Buxtehude trumpft auswärts auf


Kerstin Wohlbold und der Thüringer HC hatten vor allem im ersten Abschnitt große Probleme mit der Deckung des BSV
Foto: M. Gentzel, pictureteam
Für die Handballerinnen des Thüringer HC ist am Samstag eine Serie von 36 Bundesliga-Heimsiegen zu Ende gegangen. Der Meister unterlag in der Salzahalle dem Tabellensiebenten Buxtehuder SV mit 22:25 (7:13). Auch eine Aufholjagd nach sieben Toren Rückstand wurde am Ende nicht belohnt. Das Team von Trainer Herbert Müller bleibt trotz der zweiten Saisonniederlage auf dem zweiten Tabellenplatz. Erfolgreichste Torschützin des THC war Katrin Engel mit fünf Treffern. Für den BSV warf Emily Bölk acht Tore.

Buxtehude kam gut in die Partie. Emily Bölk und Friedrike Gubernatis sorgten für die 2:0 Führung der Gäste. Drei THC-Treffer in Folge durch einen Doppelschlag von Katrin Engel und einen Tempogegenstoß Svenja Hubers führten zum Führungswechsel. Doch diese gaben die Thüringerinnen wenig später schon wieder ab, im Spiel der Gastgeberinnen riss der Faden - auch aufgrund einer eklatanten Schwäche im Abschluss. Emily Bölk setzte sich im 1-gegen-1 durch und markierte das 5:4 für ihre Mannschaft, die Rückraumspielerin war auch in der Folge von der THC-Abwehr nicht in den Griff zu bekommen.

Buxtehude war das dominierende Team und hatte sich beim 7:4 in der zehnten Minute bereits auf drei Tore abgesetzt. THC-Trainer Herbert Müller zog die Notbremse und nahm seine erste Auszeit. Ins Gehäuse des deutschen Meisters kam Jana Krause, hielt gleich einen Strafwurf und zeigte einige starke Paraden. Sie war es, die ihre Mannschaft im Spiel hielt. Im Angriff des Thüringer HC lief allerdings weiterhin nicht viel zusammen. Reihenweise scheiterten die THC-Werferinnen an der stark aufgelegten Antje Lenz im Buxtehuder Gehäuse.

Herbert Müller wechselte kräftig durch, doch kein Wechsel brachte Besserung in der Angriffsleistung. Natalia Reshetnikova traf in der zwanzigsten Minute von Außen, doch das 9:7 sollte der letzte Treffer der Gastgeberinnen im ersten Abschnitt sein. Die letzten zehn Minuten der zweiten Hälfte gehörten allein dem Buxtehuder SV, der sich Tor für Tor absetzte - daran änderte auch eine weitere Auszeit von Herbert Müller nichts. Selbst Torhüterin Antje Lenz konnte sich in die Torschützenliste der Gäste eintragen, nachdem beim Thüringer HC das taktische Mittel der siebten Feldspielerin schief gegangen war. Buxtehude ging so mit einer verdienten 13:7 Führung in die Kabinen.

Mit mehr Angriffsdruck konnten die Gastgeberinnen schnell durch Tore von Engel, Huber und Wohlbold auf 10:14 verkürzen, ehe dann aber wiederum Emily Bölk auf der anderen Seite ihre individuelle Extraklasse unter Beweis stellte. Doch in den folgenden zehn Minuten kämpfte sich der THC mit einer beeindruckenden Aufholjagd bis auf ein Tor heran. Dann stockte dessen Angriffsmotor kurz - doch mit zahlreichen Paraden sorgte Jana Krause für den nötigen Rückhalt. Beim Stand von 16:17 scheiterte Sonja Frey allein vor Antje Lenz. Aber Jana Krause hielt gegen ihren Ex-Club ihr Tor weiter sauber und Katrin Engel traf in der 45. Minute zum 17:17. Es stand ein anderes Team des Thüringer HC auf dem Parkett und dies schien die Partie an sich zu reissen.

Unter dem Jubel der 1.019 Zuschauer erzielte Sonja Frey kurz darauf die psychologisch wichtige 18:17 Führung. Aber die Gäste wankten nicht - jetzt war es ein Spiel auf Augenhöhe mit wechselnden Führungen. Für Antje Lenz kam Julia Gronemann ins Tor und die zeigte gleich zwei tolle Paraden. Iveta Luzumova musste eine Zeitstrafe absitzen und Randy Bülau und Jana Podpolinski nutzten die Gelegenheit, Buxtehude mit 22:20 in Front zu werfen. Ein verwandelter Strafwurf von Svenja Huber brachte nochmal Hoffnung bei den Gastgeberinnen, doch kurz darauf parierten Julia Gronemann ihren nächster Siebenmeter und gab damit den vielleicht entscheidenden Impuls.

Die Aufholjagd des Thüringer HC war endgültig ausgebremst und schien die Gastgeberinnen zu viel Krafz gekostet zu haben. Friedrike Gubernatis machte es auf der Gegenseite besser - ihr verwandelter Strafwurf brachte die Gäste zwei Minuten vor Spielende mit 23:21 nach vorn. Nach dem fälligen Team-Time-Out des THC zerstörte Emily Bölk mit ihrem achten Treffer die allerletzten Hoffnungen auf einen Punktgewinn. Das 25:22 durch Randy Bülau setzte den Schlusspunkt unter einen verdienten Sieg des BSV, der das Ende einer sehr langen Heimspielserie ohne Niederlage für den amtierenden Deutschen Meister darstellt und dem HC Leipzig nun auch die Tabellenführung nach Minuspunkten beschert.

"Wir haben keine ganz leichte Saison. Heute haben wir einen großen Kampf geliefert. Auch den erwarteten Sturm des THC nach der Pause konnten wir mit Nervenstärke überstehen. Wir haben verdient gewonnen. Hoffentlich können wir jetzt den Negativtrend beenden", freute sich Buxtehudes Trainer Dirk Leun über den Erfolg seines Teams.

"Wir haben gegen den BSV die meisten Heimspiele in den letzten sechs Jahren verloren. Leider auch heute", konstatierte unterdessen Herbert Müller und fügte an: "Das Spiel heute war wieder was ganz Besonderes. Zwei komplett unterschiedliche Halbzeiten haben wir gespielt. In der ersten Halbzeit haben wir im Angriff nicht statt gefunden. Danach konnten wir relativ schnell die sechs Tore aufholen. Aber dann kam wieder unser bekanntes Problem: Wir machen die Big-Points nicht. Wir müssen unsere Fehler ganz schnell abstellen, sonst können wir Leipzig nächste Woche fast schon zur Meisterschaft gratulieren."